Andacht

"ÜBERWINDEN" – das geht bei Jesus "ÜBER WUNDEN"

Andacht im Lockdown – Passion und Ostern 2021

Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst;

aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden. (aus Joh 16,33)

Angst – wahrlich kein Fremdwort. Sie begleitet uns durch unser Leben, mehr oder weniger. Jesus sagt: In der Welt habt ihr Angst. Das ist so. Das ist normal. Wir wollen es nicht wissen, obwohl wir es wissen. Es ist gut, das aus berufenem Munde zu hören: In der Welt habt ihr Angst. Angst vor dem neuen Tag, Angst vor Anforderungen, Angst vor Ansteckung oder davor den Nächsten anzustecken, Angst vor Aufgaben. Angst etwas falsch zu machen, Angst in diesen Zeiten tiefer Verunsicherungen und Veränderungen. Eine Angst, für nicht wenige, nun auch wieder neu, ist, den Arbeitsplatz zu verlieren, oder Angst einfach nicht mehr mitzukommen, und nicht zuletzt in diesen Zeiten, die Angst um das eben begonnene Geschäft oder das Unternehmen, um die Ersparnisse… Angst vor dem Sterben, dem Tod.

Was ist deine größte Angst in dieser unsrer Zeit?

Wir haben Angst, vom Kind bis zum Greis, Ängste ohne Zahl.

Jesus sagt: In der Welt hab ihr Angst. - Ich bin dankbar, daß das einer mal sagt. So spricht er mich gerade dort an, wo ich bin. Eben auch in meinen Situationen, Momenten, Stunden der Angst. ER sagt nicht: Nun mach dich mal nicht fertig! Oder: Komm, das wird schon wieder! (vielleicht kann auch das mal helfen) Nein, ER sagt: ICH weiß, daß du jetzt Angst hast.

Ich bin auch dankbar, daß ER sagt: In der Welt habt ihr Angst. Also nicht nur in Deutschland habt ihr Angst. Man spricht ja von unseren Ängsten im Ausland von der „German Angst“. Als ob wir besonders ängstlich seien, wir Deutschen…Aber: Es gibt sie auch bei uns, die Angst heute nichts zu essen zu bekommen, oder nicht zu wissen, ob das Kind, der Angehörige den Tag, die nächste Nacht auf der Intensivstation noch überleben wird.

Kann man Ängste vielleicht relativieren? Nach dem Motto: Alles halb so wild? Ich denke nicht. Jesus nimmt jede Angst ernst. Auch wir sollten dies tun, gerade dann, wenn uns die Angst eines Nächsten vielleicht sogar lächerlich erscheint. Die Angst, die uns am nächsten ist, ist nun mal immer unsere Größte.

Jesus spricht ja noch weiter. Für mich spricht er sehr oft genau dort weiter,

wo wir meist verstummen, leider.

Er spricht nicht nur weiter, er geht weiter, wo wir oft stehenbleiben.

ER sagt: ABER SEID GETROST, ICH HABE DIE WELT ÜBERWUNDEN.

ER überwindet, indem er mitten hindurchgeht. Durch die Angst, die Verlassenheit, ja die Gottverlassenheit. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ ER überwindet auch in der Gewissheit, der Vater ist bei ihm: „In deine Hände befehle ich meinen Geist.“

ÜBER seine WUNDEN, wird er zum ÜBER-WINDER. Das macht das Leid, die Angst nicht kleiner, nicht weniger, aber solche Haltung begrenzt Leiden und Ängste. Ich denke, die Passionszeit fordert uns heraus, - öfter mal weiter zu sprechen, wo wir sonst aufhören, oder weiter zu gehen, wo wir oft stehen bleiben, weiter zu glauben, wo wir sonst zweifeln.

Mit IHM werden wir ÜBERWINDEN!  Auch die Corona-Pandemie! Amen

Ich wünsche Ihnen eine gesegnet Passions- und Osterzeit!

Thomas Rau, Superintendent