Herzlich willkommen im Kirchenkreis Sonneberg

Ostern: Ein kleines Licht wird zum Feuer, zum Osterfeuer, das leuchtet und wärmt.
Eine Kerze wird in vielen Kirchen noch in der Dunkelheit der Nacht hereingetragen und das Licht wird dann geteilt, verteilt, bis es bei allen angekommen ist.

Wie soll man Auferstehung feiern in einer Welt, in der der Tod zu herrschen scheint? Wie Ostern feiern in einer Welt, die – christlich gesprochen – im Karfreitag stecken geblieben ist?

Ostern ist das verletzlichste und das kräftigste Glaubenszeugnis der Christenheit. Schon die ersten Nachfolger Jesu sahen sich in zweifacher Weise in der Kritik: für ihren Glauben an einen Gott, der leidet und erbärmlich stirbt, - kann, ja darf ein Gott denn so schwach sein? – und für ihre Behauptung, dass dieser Eine auferstanden sei und damit die unausweichliche Logik des Todes zerbrochen habe. Beides war für die Menschen damals eine Zumutung.

Und heute? Christlicher Osterglaube ist nach wie vor für viele eine Herausforderung. Das zeigen Anschläge auf Kirchen, das zeigen aggressive IS-Botschaften, die christliche Rückkehrer in den Irak an ihren Häusern finden. Das zeigen aber auch Reaktionen unserer Gesellschaft, die Ostern weitgehend aus dem Bewusstsein verbannt hat. Weil es keiner einfachen Logik folgt und weil es unbequeme Fragen stellt, bleiben nur die bunten Eier übrig – obwohl auch sie Zeichen des Lebens sind, das nicht untergeht.
Ostern: hat revolutionäre Kraft, denn es findet sich nicht ab mit dem, was ist.
Für Christen ist seit Ostern nichts mehr alternativlos – bis auf die Liebe. An dieser Liebe gilt es kompromisslos festzuhalten gegen den ganzen Hass, der immer wieder aufbricht. Christen, die sich zu Ostern bekennen, finden sich nicht ab mit einem System von Gewalt und Gegengewalt und lassen sich – hoffentlich – nicht von der Angst leiten. Denn sie glauben an einen Gott, „der aus allem, selbst aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will“ und der dazu Menschen braucht, „die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen“(Dietrich Bonhoeffer).

Es sind für mich deshalb auch Osterspuren, wenn Jugendliche in der ganzen Welt für den Schutz des Klimas auf die Straße gehen. Und dass sich Tausende von Bürgern in Paris versammelt haben, um das Entsetzen über den Brand von Notre Dame miteinander zu teilen und dem Schrecken gemeinsam die Stirn zu bieten. Zusammenstehen und Aufstehen gegen das (scheinbar) Unvermeidliche, Beängstigende und Hass Schürende – auch das ist ein Stück von Ostern. Die Opfer der Anschläge, die Kinder und Erwachsenen, viele, zu viele Menschen die, egal welcher Religion auch in der Ausübung ihres Glaubens starben – sie alle können wir in Gedanken in die Dunkelheit der Osternacht mitnehmen.
Ostern: Der Tod hat nicht das letzte Wort
– auch ihr Tod nicht. So klein und unscheinbar die helle Flamme in die finstere Kirche einzieht, so leise - manchmal fast nicht wahrnehmbar und doch unzerstörbar - bricht sich Auferstehung Bahn und geht mit uns weiter, wenn wir mitgehen mit Jesus Christus, der uns auch 2019 zusagt: Ich bin bei euch alle Tage
Gesegnete Ostern!