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Aus der Kirchengeschichte

Blickt man von Siegmundsburg aus in östlicher Richtung, sieht man das Bergdorf Steinheid herrlich ausgebreitet am sanft abfallenden Westhang des Kieferle. Die Kirche entdeckt man erst bei näherem Hinsehen östlich von Ortskern, denn der nur 22 m hohe Kirchturm überragt Kirchenschiff und umgebende Gebäude nur wenig.

Der genaue Zeitpunkt der Entstehung einer Goldgräbersiedlung auf der „Steynernen Heyde“ liegt im Dunkel der Geschichte. Dass um das Jahr 1160 eine Kapelle auf der „Altenstadt“ gestanden haben soll, wo Pilgrime nach Rom oder Jerusalem Pässe erhalten haben sollen, ist nicht belegt.

Eine bescheidene Holzkirche oder Kapelle errichtete man 1506, vermutlich am alten Friedhof, der einst am Rande des heutigen Ortskerns lag. Am Tag Mariä Geburt (8. September) 1507 wurde die Kirche der Mutter Gottes geweiht. Das ursprüngliche Kirchensiegel zeigt die Mutter Mutter Maria mit dem Christuskind auf dem Arm von einem Strahlenkranz umgeben mit der Umschrift „Auf unser lieben Frauen Berg G. u. K.“ Es ist dem Siegel der Freien Bergstadt Marienberg im Erzgebirge sehr ähnlich. Den Namen „Auf unser lieben Frauen Berg“ führte man 1506 auch als Ortsnamen für die Siedlung ein, die nun zur Bergstadt ausgebaut werden sollte. Später setzte sich allerdings die Bezeichnung der Gegend „Steynenheyde“ auch als Ortsname durch.

Über das kirchliche Leben in der Folgezeit weiß man sehr wenig. Bei dem Großfeuer 1610, das zwei Drittel der Wohnhäuser vernichtete, blieben Kirche und Schule sowie 19 weitere Gebäude unversehrt.

Um Jahr 1780 muss die nahe am Markt befindliche Kirche in einem sehr baufälligen Zustand gewesen sein. Ein Neubau war notwendig geworden. So entstand in den Jahren 1789 bis 1792 das neue Gotteshaus, diesmal außerhalb des Zentrums am Rande von Steinheid. Sammlungen in Meininger Land und die Unterstützung durch Herzog Georg I. erbrachten die zum Bau erforderlichen Mittel. Das großzügige Projekt hätte die arme Gemeinde aus eigener Kraft nicht realisieren können.

Die neue Kirche war ein lichter, heller Bau mit karger Ausstattung. Die historische Periode der „Aufklärung“, in der Person Georg I. vertreten, fand darin ihren Ausdruck. Immerhin war der Meininger Herzog ein bedeutender Geldgeber für den Kirchenbau. Die Einweihung des neuen Gotteshauses erfolgte am Johannistag (24. Juni) 1792. Im Jahr 1656 hatte Herzog Friedrich Wilhelm einen Jahrmarkt am Tag nach Johanni (25. Juni) genehmigt. So treffen seit 1792 Kirchweihe und Jahrmarkt zusammen.

Im Jahr 1804 vernichtete ein verheerendes Feuer fast den gesamten Ort. 66 Häuser einschließlich des Pfarrhauses wurden ein Opfer der Flammen. Nur 10 Häuser und die Kirche blieben unversehrt.

Ein Jahr nach der Katastrophe stehen im kirchlichen Seelenregister für Steinheid und Grund (Neumannsgrund) 13 Häuser mit 148 Einwohnern, nur zwei Jahre später (1807) zählte man bereits wieder 50 Häuser mit 359 Einwohnern. 1807 erfolgte auch die Grundsteinlegung für das neue Pfarrhaus.

Die 1792 eingeweihte Kirche musste 1832 wegen Einsturzgefahr gesperrt werden. Diese Tatsache war einmal der rauen Witterung in unserer Höhenlage, zum anderen der teilweise schlechten Qualität bei der Bauausführung geschuldet, Das Kirchengebäude musste mit Ausnahme des Turmes und der Grundmauern abgerissen werden. Der Neuaufbau erfolgte von 1833 bis 1836, diesmal unter Aufsicht des Herzoglichen Bauinspektors Johann Georg Buck aus Hildburghausen. Dabei orientiere man sich stark an der ursprünglichen Gestaltung. Am 13. November erfolgte die Einweihung des Neubaus.

Steinheid war in der Vergangenheit kirchliches Zentrum für mehrere im 17. und 18. Jahrhundert in der Nähe entstandene Siedlungen: Siegmundsburg mit Hiftenberg, die Grundmühlen, Limbach, Scheibe, Alsbach, Lauscha und Glücksthal waren nach Steinheid eingepfarrt. Scheibe erhielt 1839 eine eigene Pfarrei und 1867 eine Kirche, in Lauscha baute man 1732 auf Veranlassung des damaligen Steinheider Pfarrers Georg Friedrich Löhrl eine Kirche, betreut wurden die Lauschaer aber noch bis 1741 von Steinheid aus. Limbach und Neumannsgrund sind Ortsteile von Steinheid, Glücksthal gibt es nicht mehr. Dagegen gehört Siegmundsburg auch heute noch zur Steinheider Pfarrerei. Neu dazugekommen ist das im Landkreis Hildburghausen gelegene Friedrichshöhe.

Im 20. Jahrhundert brachten zwei Weltkriege schweres Leid, Hunger und Entbehrungen über viele Länder der Erde. Tiefgreifende politische Veränderungen waren damit verbunden. Die Spaltung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg, die friedliche Wiedervereinigung fast am Ende des vorigen Jahrhunderts und die damit verbundenen Folgen haben auch in unserer Heimat Spuren hinterlassen und die Menschen hier geprägt.

Die Geldentwertung nach dem 1. Weltkrieg charakterisierte Pfarrer Engel nach einer musikalischen Abendfeier am Reformationstag 1923 so: „Die Collecte betrug aber nur 17 Milliarden ...“ – ein Hering kostete um diese Zeit 3,5 Milliarden Mark!

Nach dem 2. Weltkrieg hatte unsere Heimatkirche starken Zulauf. Ein Höhepunkt war das Eintreffen der neuen Stahlglocken aus Apolda am 21. Juli 1953. Während des 2. Weltkriegs war nur die kleine Bronzeglocke verblieben, die große war 1942 abgeholt und für Kriegszwecke eingeschmolzen worden.

In der Zeit des Sozialismus sollte zwar nach DDR-Verfassung die Religionsfreiheit garantiert sein, in der Praxis wurde jedoch dieser Artikel oft unterlaufen, indem aktive Christen in ihren freien Entwicklungsmöglichkeiten behindert wurden. Vermehrte Kirchenaustritte in den 70er Jahren, der Rückgang der Konfirmanden (1978 nur noch 5 Konfirmanden; 1950 waren es ca. 60!), das Aussterben des Kreuztragens durch männliche Konfirmanden bei christlichen Bestattungen (zuletzt 1981) waren Ausdruck dieser Entwicklung. Dennoch, das kirchliche Leben ging weiter, auch dank der Unterstützung durch die Partnergemeinden Schwaikheim und Lünen.

Die Geschichte der Liebfrauenkirche ist zum großen Teil auch eine Baugeschichte, wie einige Daten aus den letzten 50 Jahren belegen: 1950 vollständige Erneuerung des Daches und des Kircheninneren, 1952 Neueindeckung des Kirchturms, 1970 des Turms, Ende der 80er Jahre erneute Notwendigkeit einer Generalreparatur, noch vor der Wende begonnen, unmittelbar nach der Wende mit Hilfe großzügiger Fördermittel weitergeführt und beendet.

Die Gestaltung des Innenraumes konnte danach nur in kleinen Schritten geschehen und ist auch gegenwärtig noch nicht beendet. Die jetzt wieder freundlich helle Farbgebung dürfte der ursprünglichen Gestaltung nahe kommen. Wegen ihres schlechten Zustandes wurde ein großer Teil der Kirchenbänke durch Stühle ersetzt. Dies hat sich trotz anfänglicher Skepsis bewährt. So lässt sich heute die Anordnung der Stühle dem Charakter bestimmter Gottesdienste oder anderer Veranstaltungen anpassen.

Die Pfarrer von Steinheid

Abschließend die lückenlose Liste der Pfarrer von Steinheid, ein Zeugnis für das Alter der Kirchengemeinde, das bis in die frühe Reformationszeit zurückreicht:

    1535-1573: Wolfgang Heen
    1573-1576: Bartholomäus Heydt
    1577-1622: Johann Höpfner (Brand 1610)
    1622-1622: Johann Brau
    1623-1624: Johann Klepper
    1624-1625: Sigismund Sebramm
    1626-1627: Niclaus Wirsing
    1627-1631: Johann Hofmann
    1632-1634: Niclaus Fischer
    1635-1649: Niclaus Hofmann
    1650-1667: Niclaus Cöler
    1668-1670: Heinrich Römhild
    1671-1677: Johann Meißner (1674: Generalvisitation, von da ab Kirchenbücher)
    1677-1688: Heinrich Sommer
    1688-1696: Christoph Brechthold
    1696-1702: Gottfried Rau
    1702-1712: Johannes Stüllein
    1712-1736: Georg Friedrich Löhr (veranlasste den Bau einer Kirche in Lauscha)
    1737-1752: Johann Georg Löhr (Sohn von Georg Friedrich)
    1752-1774: Johann Caspar Lang
    1775-1802: Johann Jakob Schlothauer (Kirchenbau, Einweihung 1792)
    1802-1850: Fridrich August Köhler (Brand 15.09.1804; Kirche wegen
                      Einsturzgefahr 1833 geschlossen, 1835 Instandsetzung)
    1847-1859: Carl August Schumann (als Vikar)
    1859-1866: August Friedrich Wilhelm Pfitz
    1866-1872: August Edinhardt Reichardt
    1872-1896: Gotthelf Wilhelm Bernhard Roth (11 Kinder hier geboren)
    1896-1909: Alwin Langguth
    1909-1914: Ernsth Berendt
    1914-1915: Hans Buttmann
    1915-1921: Rudolf Nenninger
    1921-1926: Friedrich Engel
    1926-1932: Gustav Halle
    1932-1945: Hugo Mühle (Einberufung zum Kriegsdienst 1943)
    1943-1944: Kurt Pechtold
    1945-1951: Heinz Pohl
    1951-1957: Walther Koehler
    1957-1967: Otto Besser
    1967-1987: Joachim Langer
    1987-2018: Hubertus Laqua
    seit 2019:   Jörg Zech und Henry Jahn